Wenn Männer nicht heiraten wollen...

Jetzt, im Frühling, beginnt sie wieder, die Hochzeitssaison. Wer sich traut, hat Fragen über Fragen. Kirchlicher Segen oder nur Standesamt? Was wird aus den Namen? Das Brautkleid von der Stange oder vom Schneider? Welchen Treueschwur, welche Ringe, welche Gäste?

 

Und neben dir hast du einen tollen Typ – und durchaus bereit, sich auf Monate oder sogar Jahre mit dir einzulassen. Aber heiraten? Bloß nicht! Weder jetzt noch irgendwann.

 

Die Bedeutung der Ehe ist dramatisch zurückgegangen. "Verliebt, verlobt, verheiratet" ist heutzutage nicht mehr so gängig wie vor etwa 50 Jahren. Immer weniger Paare sagen "ja" zueinander. Vor allem Männer verbinden mit der Eheschließung oftmals Negatives. Das männliche Geschlecht ist vorwiegend am glücklichsten, wenn es zwar immer in einer standhaften Beziehung lebt, aber nie heiratet. Eine Frau hat dagegen weniger emotionale Probleme mit dem Gedanken verheiratet zu sein.

Oder hat ER einfach keine Lust zu heiraten? Fragen über Fragen. Ihr werdet sicher denken, wie ich auf so ein Thema komme? Naja, nach meinem letzten Blogeintrag über Heiratsanträge, habe ich von einer Bekannten ein ganz anderes Problem geschildert bekommen. Was, wenn er gar nie erst fragt?

 

Vielen Männern liegt der Gedanke an Heirat und Kinder oft schwer im Magen. Bei der Frau beginnt jedoch häufig mit Ende 30 die biologische Uhr zu ticken, sei es "endlich" zu heiraten oder Kinder zu bekommen. Doch der männliche Partner fühlt sich davon noch weit entfernt und spürt diesen Antrieb nicht, er kann schließlich auch noch in höherem Alter sowohl Vater werden als auch heiraten. Wie wir wissen spielt gerade beim männlichen Geschlecht auch der finanzielle Aufwand eine große Rolle. Schließlich wollen die Frau, die Familie und die Kinder versorgt sein, und das ein Leben lang. Einer Familiengründung folgt also finanzielle Verantwortung. In verschiedene Länder zu Reisen und eine kostspielige Freizeit haben hat dann oftmals keinen Platz mehr. Ebenfalls die Trennung, besser gesagt eine Scheidung werden vom Mann bei der Überlegung miteinbezogen.

 

Und wenn es nicht am Geld liegt? Woran kann es noch liegen? Macht das „Heiraten“ nicht glücklicher? Studien haben gezeigt, dass zwar nach einer Hochzeit meist ein emotionales Hoch zu verzeichnen war, dieses sich aber bald legte und viele dann diesem Hoch oder dieser schönen Zeit nachtrauern und genau deswegen werden viele Ehen auch wieder geschieden. Eigentlich ist es aber auch logisch, dass sich irgendwann der Alltag  einspielt und man diese Anfangseuphorie nicht ewig aufrecht erhalten kann. Aber das ist ja immer so, und dann muss man halt an einer Beziehung arbeiten, dass diese nicht einschläft oder es langweilig wird.

 

Komisch ist es trotz allem, wenn man mal bedenkt, dass es früher gang und gebe war, zu heiraten. Und damals gab es ja den Film "Die Braut, die sich nicht traut" , über die wir alle lachten. Dann müsste ja bald "Der Bräutigam, der sich nicht traut"  folgen, da dies unter Umständen bald zum alltäglichen Leben gehören wird.

 

Während zwar Hochzeitsmessen seit ein paar Jahren an Beliebtheit gewinnen und das altmodische Heiraten unter jungen Leuten angeblich wieder hip ist, sagen die nackten Zahlen etwas anderes: Die Zahl der Eheschliessungen ist rückläufig. Nach dem Boomjahr 2010 ist die Zahl wieder am Sinken. Sich scheiden zu lassen ist heute normal. Warum also heiraten? Sind Paare ohne Trauschein die neuen Helden?

Manche Männer sträuben sich ja aus grundsätzlichen Überzeugungen gegen die Ehe: Althergebrachte Konventionen müssen wir nicht mehr leben wie einst, als Dinge wie Gleichstellung oder Konkubinatsverträge in weiter Ferne lagen. Es gibt aber auch zahllose Männer, die erst nach einschneidenden Erfahrungen zur Erkenntnis gelangten, dass Hochzeit und Ehevertrag nicht das Gelbe vom Ei sind. Wenn die Hälfte der Ehen wieder geschieden wird, dann stimmt etwas nicht mit der Idee der Ehe. In der Schweiz werden jährlich gut 41'000 Ehen geschlossen, fast die Hälfte davon wird wieder geschieden, viele in den ersten sechs bis acht Jahren.

 

Haben die Männer Angst, nach einer Trennung bzw. Scheidung niemand mehr zu finden? Angst vor dem Alleine-Sein, oder schrecken Sie vor dem Heiraten zurück, weil Sie meinen, dass sie bei der Trennung am kürzeren Hebel sitzen werden? Wenn man sich liebt, dann spielt das Geld keine Rolle und dann sollte man so etwas erst gar nicht befürchten bzw. drüber nachdenken. Man verspricht sich vor dem Altar, in guten wie in schlechten Zeiten zueinander zu stehen. Und wenn man sich liebt und ab und zu die Zähne zusammen beißt, dann klappt das auch.

 

Lustigerweise werden aber heutzutage sogar schon „Interessengemeinschaft“ gegründet, um Männer vor der Heirat und deren Konsequenzen zu warnen. Also mal ganz im Ernst, das ist doch verrückt! Was spricht gegen eine Hochzeit? Nichts. Man erfüllt der Frau einen Kindheitswunsch, einmal im tollen weißen Kleid vor dem Altar zu stehen. Für eine Frau ist es der schönste Tag im Leben, und ja, es ist so. Ich würde immer und immer wieder heiraten. Und ob man jetzt verheiratet und glücklich zusammen lebt, oder nicht, das spielt doch keine Rolle. Aber ein Mann sollte nun mal bedenken, dass wenn er seine Freundin (die es sich unbedingt wünscht, zu heiraten) nicht eines Tages fragen wird, sie weg ist. Ja und glaube mir, dann wird ER es aber sehr bereuen. Vor allem, wenn man schon super lange zusammenlebt und auch oft darüber geredet hat, dass man heiratet –warum tut man es dann nicht einfach?

 

Sind die unverheiratet zusammenlebenden Paare die wahren Romantiker und neuen Helden? Kein Vertrag bindet sie, sondern nur die Liebe? Und gibt es bei Nicht-Verheirateten dann aber die Garantie, dass der Mann finanziell zum Haushalt etwas beiträgt und nach den gemeinsamen Kindern schaut? Und auch dann noch,  wenn die Partnerschaft dereinst nicht mehr funktionieren sollte?

 

Ja, ich weiß, eine Garantie gibt es nie!

 

Aber ehrlicherweise muss man auch sagen, dass es super viele Frauen gibt, die traditionell erzogen sind und ihr Leben so aufgebaut haben, sich ihrem ersten Freund, ihrem ersten Mann, hinzugeben und dann auf den Antrag warten. Über die Prinzipien und Vorstellungen weiß der Partner Bescheid, aber es vergehen Jahre um Jahre. Und wenn dann der Mann den Antrag nur macht, weil es machen „muss“, dann ist die Frau auch enttäuscht. Es ist schwierig. Soll „Sie“ dann die bittere Wahrheit einsehen, weil er nie heiraten will, oder ihm zuliebe die Träume aufgeben und unverheiratet und womöglich noch kinderlos zusammenleben?

 

Es gibt wirklich eine große Anzahl von „Gründen“, oder eher „Ausreden“, warum ein Mann nicht heiraten will… ! Vielleicht hat er Angst, dass die Frau dann die Kontrolle über ihn hat, oder dass er eine böse Stiefmutter kriegt, oder dass er sich nicht auf eine Frau festlegen möchte, weil ja vielleicht noch eine bessere über den Weg laufen könnte?

 

Egal welche Bedenken ein Mann hat, man sollte nicht die Lust am Heiraten verlieren. In diesem Sinne, frag doch deine Freundin endlich, und du wirst sehen, freudig sagt sie „Ja ich will!“

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