Glück

Ich weiß nicht, ob ich darüber schon einmal geschrieben habe. Aber jetzt gerade beschäftigt mich es wieder.

 

 

 

Im Supermarkt habe ich einen Bekannten getroffen, wir haben uns sicher 2-3 Jahre nicht mehr gesehen und kamen ein wenig ins Plaudern. Dann kam natürlich auch die Frage auf, ob wir denn Kinder haben, oder warum wir keine haben. Ich habe ihm von unserem Plan mit der Adoption erzählt. Er fand das super toll, und meinte dann nur „Hauptsache ihr seid glücklich“.

 

 

 

Ja. Glücklich. Glück. Aber was ist das überhaupt? Macht, Liebe, Reichtum? Jeder definiert es ja anders. Und jeder wünscht es sich, doch die wenigsten behaupten es wirklich zu haben. Dabei ist es häufig nur eine Frage der Wahrnehmung. Für viele Menschen ist Glück der einzige Wert, der in sich final ist. Das bedeutet, dass alle anderen Ziele auf dieses eine Ziel hinausführen: glücklich sein. Kommt dir merkwürdig vor? Gut, ein Beispiel. Ich wünsche mir gerade, 5 Kilo abzunehmen.

 

Warum will ich abnehmen? Nun, ich schätze, weil ich wieder attraktiver sein möchte, so wie früher. Warum möchte ich attraktiver sein? Na, weil mich die Leute dann mögen und ich beliebter wäre (bilde ich mir zumindest ein). Aber warum möchte ich geliebt werden? Weil geliebt zu werden glücklich macht. Also müssen die paar blöden Kilo letzten Endes für das ganz große Glück weichen. Dieses kleine Fragespiel kann man auf so gut wie jede Situation übertragen und unabhängig davon, ob man 5 min. oder 50 min. braucht: Am Ende führen alle Wege zu dem einen Ziel, glücklich zu sein.

 

 

 

Es gibt Anleitungen zum Glücklich sein, manche Menschen behaupten das Glück gepachtet zu haben, oder wie mein Bruder so schön sagt „denen scheint die Sonne auf den Arsch“ und andere wünschen Sie hätten es. Doch im Grunde muss zunächst eine Frage beantwortet werden, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen: Was ist Glück?

 

 

 

Aristoteles schrieb, dass Glückseligkeit "das vollkommene und selbstgenügsame Gut und das Endziel des (menschlichen) Handelns ist." Und Platon behauptete, dass der Mensch nur glücklich sein kann, wenn die drei Teile der menschlichen Seele, Vernunft, Wille und Begehren im Gleichgewicht sind. Der französische Schriftsteller Maurice Barrès (1862 - 1923) definierte es so: "Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille, zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt ".

 

 

 

Ob Glück, Zufriedenheit, seelische Ausgeglichenheit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Freude… Wir haben zahlreiche Begriffe für diesen wünschenswerten Zustand geschaffen. Und heute vertritt man im Allgemeinen die Ansicht, dass man selbst "seines Glückes Schmied" ist und das Glück das Zusammenspiel von bewusst getroffenen Entscheidungen und Zufällen ist.

 

Aber ist Glück wirklich gleich Glück? Ist die Rede vom Glück, sprechen wir zunächst einmal von momentanen Gefühlen, z.B. von Freude. Um glücklich zu sein, muss man sich also gut fühlen, lachen und fröhlich sein. Das macht erst einmal Sinn. Ich bin zum Beispiel mehr als glücklich, wenn ich einkaufen gehe. Egal ob für mich, oder andere. Oder wenn ich am Meer sitze, den Rauschen der Wellen zu höre, und in die endlose Ferne blicken kann. Dann brauche ich in dem Augenblick nix mehr. Ich bin einfach nur zufrieden und glücklich. Doch ist gute Stimmung alleine ausreichend für ein gelingendes Leben?

 

 

 

Wenn wir uns nicht auf unsere Gefühle verlassen können, wie steht es dann um unsere Gedanken? Ist wahrhaft glücklich, wer sich selbst für glücklich hält? Immerhin kann man, auch wenn man im Moment nicht unbedingt guter Stimmung ist, sein Leben alles in allem positiv einschätzen, weil unterm Strich die guten Erlebnisse die schlechten überwiegen. Und kann denn nicht jeder selbst am besten einschätzen, ob er glücklich ist oder nicht?

 

 

 

Im Grunde schon, allerdings sind wir Menschen nicht besonders gut darin zu wissen, was uns glücklich macht und was nicht. Ich habe eine gute Freundin, die Single ist. Sie meinte zu mir „Du kannst dich glücklich schätzen, du bist verheiratet“. Und manch einer, der verheiratet ist, würde genau das zu ihr als Single sagen. Überspitzt ausgedrückt könnte auch ein Sklave, der sich an sein Schicksal gewöhnt hat, mit seinem Leben zufrieden sein. Doch darf man ihn deswegen glücklich nennen oder gibt es vielleicht noch etwas anderes, was es zum Glück braucht?

 

 

 

Einfluss auf das Lebensglück haben auch Faktoren wie Familie, Liebe, Beruf, Finanzen und Freizeit. Aspekte, die wir teils selbst beeinflussen können, und teils von der Gesellschaft abhängig sind. Es kann aber auch eine Art des Wohlfühlens sein, das einem ein glückliches Gefühl gibt. Zum Beispiel wenn man sich wirklich Zuhause fühlt, einen tollen Freundeskreis hat oder mit seiner Familie sorgenfrei lebt.

 

 

 

Ich denke, es gibt bestimmte universelle Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, um ein gutes Leben zu führen und Wohlbefinden zu erreichen. Unabhängig davon, welchen Wert wir diesen Dingen zuschreiben, sind sie für uns absolut zentral.

 

 

 

Allerdings herrscht Uneinigkeit darüber, welche Bedürfnisse wirklich universell sind und welche nicht. Hat wirklich jeder Mensch das Bedürfnis nach Liebe und Verwirklichung oder sind manche Werte vielleicht auch kulturell verschieden? Was sind tatsächlich die Bestandteile eines gelingenden Lebens und wird dabei nicht nur ein moralisches Urteil gefällt?

 

Im Allgemeinen beeinflussen Glücksfaktoren das persönliche Lebensglück, und drei davon könnten diese sein:

 

1) Das liebe Geld. Wir glauben ja, dass wir glücklicher werden, wenn unser Einkommen steigt. Und es ist tatsächlich nicht abzustreiten, dass Geld einen Teil der Sorgen, die man im Alltag hat, in Luft auflösen kann. Die Miete kann abgebucht, die Versicherung bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden - folglich die Körper- und Sicherheitsbedürfnisse erfüllt werden. Doch was durch Geld unbefriedigt bleibt sind die sozialen Bedürfnisse, es heißt ja nicht umsonst „Freunde kann man nicht kaufen." - und so macht Geld allein sicherlich nicht glücklich.

 

2) Der Job. In der heutigen Arbeitswelt steigen die Anforderungen, gleichzeitig werden die Arbeitsbedingungen schlechter. Arbeit bedeutet im allgemeinen Sicherheit. Aber wenn wir in einem gewissen Maß auf Sicherheit verzichten können, merkt man, dass man Freiheit gewinnt. Man sollte auch ehrlich mit sich selber sein. Eine 32-Std.-Woche wäre toll? Na dann frag doch mal den Chef, ob die Möglichkeit besteht. Mehr als "Nein" sagen kann er nicht. Doch eins ist bei der Jobsache ganz wichtig, fair und realistisch bleiben!

 

3) Unsere Freizeit. Diese wird durch gesellschaftliche Verpflichtungen stark beeinflusst, doch muss man sich davon nicht lenken lassen. Denn ob wir mit 30 schon eine Familie gründen, mit 35 das erstes Haus bauen und mit 40 das zweite Auto kaufen, entscheiden nur wir. Wenn du also mit 45 dein Hobby zum Beruf machen möchtest, dann tu es. Wenn du mit 60 dein Haus verkaufen willst, um mit einem Boot um die Welt zu segeln, dann kann dir das keiner verbieten. Nur du bestimmst dein Leben - doch allzuhäufig vergessen wir das.

 

 

 

So, und was lernen wir daraus? Glück wird auf verschiedene Weise verstanden und erforscht, und jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile. Positive Stimmung ist wesentlich für ein glückliches Leben, aber sie allein reicht nicht aus. Menschen möchten sich auch verwirklichen und entfalten, sie wollen Erfahrungen sammeln und am Erlebten wachsen. Aber all diese objektiven Kriterien sind am Ende auch nichts wert, wenn die Person selbst sich nicht für glücklich hält. Wir brauchen Freude und Bedeutung um ein glückliches und erfüllendes Leben zu führen. Und dafür sind wir selbst verantwortlich.

 

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